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Coaching bei Stress und Burn-out

Veröffentlicht am 30.06.2015

Stress ist im Moment ein beliebtes Thema. Eine von den üblichen abweichende und sehr einleuchtende Erklärung für das Entstehen von Burn-out richtet das Augenmerk auf den neurosomatischen Ansatz, der besagt, dass Burn-out eine stressbedingte Entspannungsstörung ist. Eine rein körperliche Ursache hat sich nach einer gewissen Zeit derart entwickelt, dass eine Entspannung mit allen herkömmlichen Regenerationsabläufen nicht mehr möglich ist. Eine langanhaltende Erschöpfung ist die Folge, nicht die Ursache dieser Entspannungsstörung. Eine konsequente Beratung wird also nicht versuchen, an der Erschöpfung anzusetzen, indem man Erholung verordnet, sondern an der Ursache, der Entspannungsstörung.

Ursache ist eine lang anhaltende und dauerhaft wahrgenommene Differenz zwischen Herausforderungen und Belastungssituationen und den subjektiv erlebten Bewältigungsmöglichkeiten. Die Differenz zwischen Belastungen und deren Bewältigungsstrategien führt immer zu einem Anstieg der Stresshormone. Wenn diese Hormone nicht mehr abgebaut werden können, reduzieren sich die Bewältigungsmöglichkeiten, was wiederum einen Anstieg der Stresshormone zur Folge hat. Wenn sich dieser Zustand nicht entspannt, entweder durch Abnahme der Belastungen und Herausforderungen, durch neue Bewertungen der Herausforderungen oder durch neue Bewältigungsstrategien, bildet sich ein Stressspeicher, der sich nicht mehr selbst reguliert und zu einem eigenen, nachhaltigen Faktor wird. Dieser Stressspeicher reduziert den Ressourcenzugriff, schafft eigene Symptome und lässt die Situation so eskalieren, dass es zu einer massiven Reduktion der Körperfunktionalität kommt (z.B. sinkende Konzentrationsleistung). Der berufliche Lebensbereich wird insgesamt durch diese Reduktion der Körperfunktionalität belastet und eine Bewertung und Einschätzung der eigenen Situation ist nicht mehr realitätskonform möglich. Um Klienten effizient zu helfen, muss der Stressspeicher erst aufgelöst werden, der persönliche Zugang zu den Ressourcen wiederhergestellt werden.

Das Coaching in diesem Zusammenhang dreht sich ganz grundsätzlich um die Unterstützung des Klienten bei seinem Umgang mit Stress. Da die Selbstwahrnehmung gerade durch Stress reduziert funktioniert, hindert dies den Betroffenen daran, aus dem selbst gebauten Irrgarten selbstständig wieder herauszufinden. Der Coach ist behilflich, die Stresskomponenten ab- und jene der Selbstwahrnehmung wieder aufzubauen.

Es stellt sich grundsätzlich die Frage, wie der Klient sich in seiner Umwelt sieht. Jeder Mensch hat in seiner Wahrnehmung blinde Flecken. Unserem Bewusstsein ist immer ein nicht unerheblicher Teil unseres Seins und Verhaltens nicht zugänglich. Ob wir das nun wollen oder nicht. Wir sind und verhalten uns immer nur zu einem Teil genauso, wie wir denken, dass wir sind und wie wir uns verhalten. Dabei sollten wir immer ein Interesse für diese andere, uns eigentlich nicht zugängliche Seite haben, um uns unserer Wirkung auf andere Menschen bewusst zu sein. Hier liegt ein ungenutztes Ressourcenpotential, welches spätestens bei einem Stress Coaching als Nebeneffekt aktiviert wird.

Gerade wenn wir uns belastet fühlen, wenn unser Stresspegel ansteigt, wird dieser Anteil an uns nicht bewussten Eigenschaften größer. Diese können derart überhandnehmen, dass wir den Boden zu unserer eigenen Realität verlieren. Und spätestens dann ist es grundsätzlich notwendig, sich jemanden zu suchen, der sich traut und in der Lage ist, die Außenwahrnehmung so mitzuteilen, dass sie gehört werden kann.

Gerade für Führungskräfte ist es immer schwieriger, nicht interessengesteuerte oder taktisch eingesetzte Rückmeldungen im Berufsalltag zu erhalten. Hier befindet sich ein wichtiges Betätigungsfeld für Coachs. Ihren Rat und ihre Wahrnehmung zu nutzen, verhindert, dass es überhaupt zum Burn-out kommt.

Der Coach ist in der Lage, für den Klienten ein Spiegel zu sein. Durch Coaching-Prinzipien bleibt die Selbstverantwortung umfassend erhalten oder wird so schnell wie möglich wiederhergestellt.

Auch bietet nach den neuesten Erkenntnissen der Gehirn- und der Stressforschung der persönliche, vertrauensvolle Kontakt zu einem Gegenüber eine wichtige Grundlage dafür, Neues wieder wahr- und aufzunehmen. Unser Gehirn ist dann in der Lage, schnell und kreativ neue Lösungen zu entwickeln, die für neues Denken genauso nötig sind wie für ein neues Verhalten. Ein Coaching erleichtert den nötigen Lern- und Umstellungsprozess enorm und wird dadurch zu einer hoch profitablen Investition.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in dem Buch „Soforthilfe bei Stress und Burn-out“ von Horst Kraemer.

Der Autor Jens Glende begleitet seit 2009 Organisationen und Menschen auf dem Weg in ihr volles Potential. Er ist Diplom-Kaufmann, Business Coach, Management Trainer und Aufsteller. Ferner ist er Gründungsmitglied des Kompetenzzentrum „JonathanCircle“ zur Prozessbegleitung von Unternehmen im Kulturwandel, das ganzheitlich Unternehmen berät.